Der Plüschdackel war zu Besuch bei den Personalvertretungen, © Anne Junia Ziemann/UG
Ein offenes Ohr für die Beschäftigten
Ein Konflikt mit der Führungskraft, zu viel Arbeit auf dem Tisch oder eine Regelung, die Fragen aufwirft: Es gibt vieles, das Mitarbeitende im Arbeitsalltag beschäftigt. Doch an wen wendet man sich, wenn man nicht weiterweiß? An der Universität Greifswald sind die Personalvertretungen dafür da, zuzuhören, zu beraten und sich für die Interessen der Kolleg*innen einzusetzen. Beim Dackelbesuch erzählen ihre Mitglieder, wie sie zu dieser Aufgabe gekommen sind, was sie antreibt und warum es manchmal besser ist, nicht zu lange mit einem Gespräch zu warten.
Personalvertretung ist nicht gleich Personalvertretung: An der Universität Greifswald gibt es den Personalrat für die nichtwissenschaftlichen Mitarbeitenden (NPR), den Personalrat für das wissenschaftliche Personal (WPR) und den Gesamtpersonalrat (GPR). Sie alle setzen sich für die Belange der Beschäftigten ein, kümmern sich aber um unterschiedliche Themen.
Drei Gremien, viele unterschiedliche Anliegen
Beim NPR reicht das Aufgabenspektrum vom Einstellungsverfahren über Anpassungen der Arbeitszeit bis hin zu Fragen der Eingruppierung und der Beendigung des Beschäftigungsverhältnisses. Im WPR spielen darüber hinaus befristete Beschäftigungsverhältnisse im wissenschaftlichen Mittelbau und Qualifikationsstellen eine wichtige Rolle. Der GPR beschäftigt sich dagegen mit Themen, die über einzelne Beschäftigtengruppen hinausgehen – etwa mit Dienstvereinbarungen zu IT-Verfahren, Datenschutz oder Arbeitsschutz.
So unterschiedlich die Aufgaben sind, ein Thema vereint die Arbeit aller drei Gremien: Beschäftigte sollen ihre Anliegen einbringen können und Unterstützung bekommen, wenn es in ihrem Arbeitsalltag schwierig wird.
Lieber früher als später
Mal geht es um einen Konflikt mit Vorgesetzten, mal um hohe Arbeitsbelastung oder Unklarheiten bei den Arbeitsbedingungen. Auch Fragen zur Teilzeit oder zur Auslegung von Dienstvereinbarungen landen bei den Personalvertretungen. Gerade wenn Aufgaben zunehmen, das Personal aber nicht, wächst der Gesprächsbedarf.
Doch nicht alle Beschäftigten melden sich sofort, wenn etwas nicht stimmt. Der Gang zum Personalrat kann sich wie ein großer Schritt anfühlen – manche befürchten, einen Konflikt erst recht eskalieren zu lassen. Dabei setzt ein Gespräch nicht gleich offiziell etwas „auf dem Dienstweg“ in Gang. Oft geht es zunächst darum, die Situation einzuordnen und herauszufinden, welche Möglichkeiten es gibt.
„Wenn sich das erste Störgefühl aufbaut, sollte man zumindest ein Gespräch führen“, sagt Andreas Reißland, Vorsitzender des NPR. Wer zu lange wartet, sucht mitunter erst Unterstützung, wenn sich ein Problem bereits zugespitzt hat. Die Personalvertretungen können beraten, Gespräche begleiten und bei Bedarf an andere Anlaufstellen vermitteln.
Kaffee, E-Mails und plötzlich ganz andere Pläne
Wie sieht eigentlich ein typischer Arbeitstag in der Personalvertretung aus? Zumindest der Kaffee gehört einstimmig dazu. Danach stehen E-Mails, Terminplanung und die Vorbereitung von Sitzungen auf dem Programm. Besonders gut lässt sich der Tag jedoch selten durchplanen: Ein dringendes Personalgespräch kommt dazwischen oder ein Anliegen braucht kurzfristig Aufmerksamkeit.
Die Personalratsarbeit läuft zusätzlich zur regulären Tätigkeit. Zwar sind unter bestimmten Voraussetzungen Freistellungen möglich, viele Aufgaben müssen aber mit dem eigentlichen Job vereinbart werden. Damit das funktioniert, teilen die Mitglieder Themen untereinander auf und bringen ihre unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen ein. Möglich wird diese wertvolle Arbeit durch die gegenseitige Unterstützung und das Verständnis der Kolleg*innen sowie Führungskräfte.
Auch hinter den Kulissen gibt es bei allen Personalräten viel zu tun. Dienstvereinbarungen werden mit der Hochschulleitung erarbeitet, Regelungen geprüft, Einstellungsverfahren und Mitarbeitendengespräche begleitet. Hinzu kommen regelmäßige Gespräche mit dem Rektorat, der Kanzlerin sowie die Arbeit in Arbeitsgruppen hinzu, etwa regelmäßige Treffen mit der Gleichstellungsbeauftragten, der Koordinatorin des Konfliktmanagements und dem Antidiskriminierungsbeauftragten.
Warum sie mitmachen? Weil sie etwas bewirken können.
Die Wege in die Personalvertretung sind verschieden. Angela Hoppe hat sich schon immer für Gerechtigkeit eingesetzt – beruflich wie privat. „Deshalb bin ich nicht überraschend in einer Gleichstellungsabteilung beruflich tätig. Es hatte mich schon länger interessiert, diesen Teil von Interessenvertretung wahrzunehmen.“
Steffi Leifeld wiederum wollte sich dafür einsetzen, dass Informationen an der Universität besser fließen. „Ich hatte immer so das Gefühl, dass der Informationsfluss an der Uni noch verbessert werden kann. Das war eigentlich mein Ansatzpunkt, um mich stärker engagieren zu wollen.“
Andere Mitglieder kamen über frühere Erfahrungen in der Jugend- und Ausbildungsvertretung oder die Organisation von Personalratswahlen zu ihrem Engagement. Steven Goericke aus dem NPR und GPR beschreibt seinen Antrieb mit einem Augenzwinkern: „Ich war sowieso immer ein Freund von Stänkern, wenn mir was nicht gefällt.“ Dahinter steckt der Wunsch, Dinge zu hinterfragen, Missstände anzusprechen und nicht einfach hinzunehmen, dass etwas schon immer so gemacht wurde.
Dass sich der Einsatz lohnt, zeigt sich oft in kleinen Momenten. Wenn Beschäftigte nach einem schwierigen Gespräch erleichtert sind, sich für die Unterstützung bedanken oder gemeinsam eine Lösung gefunden wird, ist das eine Bestätigung für die Arbeit. Auch wenn ein Einstellungsverfahren erfolgreich begleitet wurde und ein Fachbereich eine passende Verstärkung gewinnt, können sich die Mitglieder mitfreuen. Und bei all den schwierigen Themen darf auch der Humor nicht fehlen: Gemeinsam zu sitzen und miteinander zu lachen, gehört ebenfalls dazu.
Einfach ist die Arbeit trotzdem nicht. Nicht immer lassen sich unterschiedliche Interessen unter einen Hut bringen, und nicht jedes Anliegen führt zum erhofften Ergebnis – auch wenn der Wunsch zu helfen da ist.
Mehr als eine Kaffeerunde
Wie viel Arbeit tatsächlich hinter der Personalvertretung steckt, sehen Beschäftigte oft erst, wenn sie selbst Unterstützung brauchen. „Die regelmäßigen Sitzungen sind halt keine Kaffeerunde, wie man vielleicht denkt“, erklärt Andreas Reißland.
Die Gremien arbeiten an Regelungen, begleiten Verfahren und versuchen, die Perspektive der Beschäftigten in Entscheidungen einzubringen. Dazu gehört auch, darauf zu achten, wie Informationen ankommen. Gerade bei größeren Veränderungen wie dem Konsolidierungsprozess ist es wichtig, Fragen verständlich zu beantworten und Kolleg*innen nicht mit Unsicherheiten allein zu lassen.
Damit der Kontakt leichter fällt, setzen die Personalvertretungen vor allem auf persönliche Begegnungen. Bei Veranstaltungen wie dem Betriebsfest oder einem gemeinsamen Dialog am Mittagstisch können Beschäftigte unkompliziert ins Gespräch kommen. Neuerdings erkennt man die Mitglieder des NPR bei solchen Anlässen an ihren bunten T-Shirts. Wer ein Anliegen hat, kann sich außerdem persönlich, telefonisch oder per E-Mail melden. Eine Gelegenheit zum Austausch bietet die Personalversammlung am 19. November 2026 von 13:00 bis 15:00 Uhr.
Vertraulichkeit ist dabei besonders wichtig. An einer Universität, an der sich viele Menschen kennen, kann es Überwindung kosten, ein persönliches Problem anzusprechen. Die Personalvertretungen möchten deshalb deutlich machen, dass Beschäftigte mit ihren Anliegen willkommen sind – auch dann, wenn sie selbst noch gar nicht genau wissen, welche Unterstützung sie brauchen.
Verstärkung gesucht
Damit die Interessen der Beschäftigten möglichst vielfältig vertreten werden, braucht es Menschen, die sich in der Personalvertretung engagieren. Für kommende Wahlperioden wünschen sich die Gremien deshalb weitere Kolleg*innen, die unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen mitbringen.
Wer sich dafür interessiert, muss nicht schon alle Abläufe und Regelungen kennen. Vieles lernt man erst in der gemeinsamen Arbeit und natürlich auch in Schulungen. Entscheidend ist die Bereitschaft, zuzuhören, Fragen zu stellen und sich für die Anliegen der Kolleg*innen einzusetzen.
Wer selbst Unterstützung braucht, muss nicht warten, bis ein Problem groß geworden ist. Manchmal reicht ein erstes Gespräch, um die eigenen Möglichkeiten besser einschätzen zu können. Genau dafür sind die Personalvertretungen da: damit Beschäftigte gehört werden und die Arbeitsbedingungen an der Universität Greifswald gemeinsam mitgestalten können.
„Dackelbesuch bei …“, ist ein Format der internen Kommunikation der Universität Greifswald. Es gibt Einblicke in Menschen, Projekte und Tätigkeiten an der Universität und soll die interne Vernetzung stärken. Wenn Sie selbst Interesse haben oder jemanden vorschlagen möchten, können Sie sich bei der ryckschau@uni-greifswald.de melden.
Text: Anne Junia Ziemann, 03.11.2026
