Campusleben

Dackelbesuch bei der Digitalen Lehre

Eine Frau sitzt an einem Mikrofon

Jana Kiesendahl mit dem Uni-Plüschdackel im Medienlabor der Digitalen Lehre, © Anne Junia Ziemann/UG

Warum gute digitale Lehre mit dem Lernziel beginnt – und nicht mit dem nächsten Tool

Was macht gute digitale Lehre aus? Möglichst viele Tools einsetzen? Vorlesungen aufzeichnen und hochladen? Oder einfach den gesamten Kurs nach Moodle verlagern? Für Dr. Jana Kiesendahl beginnt die Antwort an einer anderen Stelle: beim Lernziel. Erst wenn klar ist, was Studierende am Ende können sollen, stellt sich die Frage, ob und wie digitale Werkzeuge dabei helfen.

Dr. Jana Kiesendahl ist für den Bereich Digitale Lehre im Zentrum für akademische und digitale Kompetenzen der Universität Greifswald verantwortlich. Das Zentrum bündelt Hochschuldidaktik, Graduiertenakademie und Digitale Lehre. Das Team berät Lehrende, bietet Fortbildungen an, bildet studentische E-Tutor*innen aus und administriert universitätsweit die elektronischen Prüfungen.

Nicht alles muss digital

Wer mit dem Wunsch zu Jana Kiesendahl kommt, eine Lehrveranstaltung digital weiterzuentwickeln, bekommt nicht einfach eine Liste mit passenden Programmen. Zunächst geht es um die Rahmenbedingungen: Wie viele Studierende nehmen teil? In welchem Fachsemester sind sie? Welche Teile der Veranstaltung finden in Präsenz statt? Und vor allem: Was sollen die Studierenden am Ende können?

Erst danach entscheidet sich, ob und welche digitalen Werkzeuge sinnvoll sind. Digitale Werkzeuge können Lehre interaktiver und flexibler machen und die Tool-Palette der Universität ist vielfältig. Entscheidend ist aber das Lernziel. „Nicht das Tool des Tools wegen, weil es modern ist einzusetzen, sondern dass es eben auch einen didaktischen Zweck erfüllt.“

Manchmal lautet die Antwort deshalb auch: lieber nicht digital. Ein persönliches Gespräch oder eine Diskussion im Seminarraum lässt sich nicht immer sinnvoll ersetzen.

Vor allem aber geht es Jana Kiesendahl nicht um ein Entweder-oder. Digitale Lehre und Präsenzlehre sollen sich miteinander verzahnen. Während der Corona-Pandemie gab es diese Wahl nicht. Lehrveranstaltungen mussten digital stattfinden – auch dann, wenn das für das jeweilige Lernziel nicht die beste Lösung war. Heute können Lehrende wieder entscheiden, welches Format für welchen Teil ihrer Veranstaltung sinnvoll ist.

Moodle kann mehr als PDFs ablegen

Ein großer Teil der Beratung dreht sich um eine Plattform, die viele Studierende vor allem als Ablageort für Vorlesungsfolien und Literatur kennen: Moodle.

Dabei kann Moodle deutlich mehr. Ein guter digitaler Lernraum beginnt für Kiesendahl schon mit kleinen Dingen: einer Begrüßung, einer kurzen Einführung ins Thema, klaren Lernzielen oder einer Angabe dazu, wie viel Zeit die Bearbeitung eines Materials ungefähr beansprucht.

Wer sich nicht gleich durch die gesamte Funktionsvielfalt arbeiten möchte, kann zunächst Textblöcke ergänzen und die Themen besser strukturieren. Dazu kommen Selbstlernquizze, individuelle Lernpfade oder Möglichkeiten zur Zusammenarbeit.

Studierende werden zu digitalen Lehrprofis

Eine besondere Rolle spielen die E-Tutor*innen. Das sind Studierende, die gemeinsam mit Lehrenden digitale Lehrprojekte entwickeln und praktisch umsetzen. Jana Kiesendahl und ihr Team bilden sie dafür aus.

Die E-Tutor*innen bauen beispielsweise Moodle-Kurse auf, produzieren Lehrvideos und Tutorials oder erproben digitale Methoden, die Studierende während einer Präsenzveranstaltung aktivieren. Sie unterstützen auch bei hybriden Lehrveranstaltungen und E-Klausuren.

50 bis 60 Klausuren pro Prüfungsphase

Digitale Lehre endet nicht beim Lernraum. Seit Sommer 2022 gibt es an der Universität Greifswald das E-Prüfungszentrum. Dort werden elektronische Klausuren technisch und organisatorisch begleitet.

Für Lehrende bedeutet das vor allem bei automatisch auswertbaren Aufgaben einen reduzierten Korrekturaufwand. Gleichzeitig ermöglichen digitale Prüfungen neue Aufgabenformate: Bilder können eingebunden und beschriftet werden, in Sprachprüfungen lässt sich mit gesprochener Sprache arbeiten.

Was gute Lehre ausmacht

Jana Kiesendahl weiß, wovon sie spricht. Sie studierte Germanistik, Kommunikationswissenschaft und Psychologie, promovierte in Germanistischer Linguistik und arbeitete zwölf Jahre selbst in der Lehre.

Für sie beginnt gute Lehre bei den Lernenden. Studierende sollten wissen, was sie lernen und warum es relevant ist. Sie brauchen Möglichkeiten, Dinge auszuprobieren, selbstständig zu arbeiten und Fragen zu stellen. Kommunikation auf Augenhöhe und ein Vertrauensverhältnis gehören für sie ebenfalls dazu.

Ihre Vorstellung von digitaler Lehre ist deshalb eng mit ihrer Vorstellung von guter Lehre verbunden: Technik soll nicht den Ton angeben. Sie soll dort eingesetzt werden, wo sie das Lernen besser macht. „Wir haben ja die Wahl, wie wir es machen.“

Für die Zukunft wünscht sich Jana Kiesendahl Lehrende und studentische Tutor*innen, die didaktisch gut qualifiziert sind und ihre Begeisterung für das eigene Fach weitergeben und mit neuen Technologien verantwortungsvoll und reflektiert umgehen.

Das Format

„Dackelbesuch bei …“, ist ein Format der internen Kommunikation der Universität Greifswald. Es gibt Einblicke in Menschen, Projekte und Tätigkeiten an der Universität und soll die interne Vernetzung stärken. Wenn Sie selbst Interesse haben oder jemanden vorschlagen möchten, können Sie sich bei der Hochschulkommunikation melden.

Text: Anne Junia Ziemann, 08.09.2026

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