Forschung

Heinz-Maier-Leibnitz-Preis für Isabelle Dolezalek

Frau Dr. Isabelle Dolezalek steht vor dem Pommerschen Landesmuseum in Greifswald. © Maria Herzog

© Maria Herzog

Im Gespräch mit Jun.-Prof. Dr. Isabelle Dolezalek

Isabelle Dolezalek, Juniorprofessorin für Kunstgeschichte am Caspar-David-Friedrich-Institut der Universität Greifswald, hat im Oktober 2023 den mit 200.000 Euro dotierten Heinz Maier-Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erhalten.  Die Deutsche Forschungsgemeinschaft begründete die Preisverleihung an die Kunsthistorikerin mit den grundlegend neuen Einsichten in die politischen, religiösen und kulturellen Beziehungsgefüge eines Mittelalters, das sich weder in nationalen Kategorien noch in Einteilungen wie ‚Ost‘ und ‚West‘ begreifen lässt. Zudem gelinge es der Preisträgerin, in vielen ihrer Forschungsprojekte auch Aspekte des Wissenstransfers mitzudenken.

Liebe Frau Dolezalek, an der Universität Greifswald haben Sie die Juniorprofessur für Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Mittelalter inne. Was macht für Sie den Reiz des Mittelalters aus?

Da ich einen großen Teil meiner Schulzeit in einem kleinen, mittelalterlichen Dorf in Südfrankreich verbracht habe, ist der „Reiz des Mittelalters“ für mich zu allererst ein sinnlicher gewesen: enge Gassen, große Kirchen und die Ästhetik romanischer Architektur und Skulptur. Im Studium kam dann auch das methodische Interesse dazu: Wie kann man mehr über die erhaltenen Kunstwerke erfahren, obwohl so viele Informationen verloren sind? Wie geht man mit fragmentarischer Überlieferung um? Das Nachdenken darüber finde ich sehr reizvoll.

Im Gespräch, © Maria Herzog
Symboldeutung – wissenschaftlicher Austausch unter Kolleginnen

Der renommierte Heinz Maier-Leibnitz-Preis wurde Ihnen für Ihre grenzerweiternde und grenzüberschreitende Forschung verliehen. Wo genau liegen Ihre Schwerpunkte?

Einer meiner Schwerpunkte liegt in der Erforschung transkultureller Verflechtungen, mit Bezug auf islamisch- und christlich-geprägte Kulturräume. Dafür bewege ich mich zwischen verschiedenen historischen Disziplinen. Darüber hinaus ist für mich aber auch ein großes Thema, wie Forschung über den universitären Kontext hinaus vermittelt werden kann – z. B. in der Schule oder im Museum.

In der Lehre setzen Sie Formate der Wissenschaftskommunikation ein.
Was motiviert Sie dazu?

Ich finde es wichtig, den Studierenden neben der Vermittlung von Fachwissen auch Werkzeuge zur praktischen Anwendung dieses Wissens mitzugeben. Dieses Anliegen habe ich bisher durch Wikipedia-Projekte, Veröffentlichungen und Ausstellungen mit Studierenden sowie mit einer „Tinder-App“ zum Chatten mit Museumsobjekten umsetzen können. Schön fände ich es, wenn die Studierenden durch diese Projektarbeit erkennen würden, welches gesellschaftliche Potenzial die Kunstgeschichte und die Geisteswissenschaften allgemeiner in unserer durch Krisen geprägten Gegenwart haben.

Was war Ihr erster Gedanke, als Sie erfahren haben, dass Ihnen der Heinz Maier-Leibnitz-Preis verliehen wird?

Ach Quatsch, das kann doch nicht wahr sein! Und dann: FREIHEIT HURRAH!!!

Dieses Foto zeigt die Preisverleihung an Juniorprofessorin Dr. Isabelle Dolezalek
Juniorprofessorin Dr. Isabelle Dolezalek - Heinz Maier-Leibnitz-Preisträgerin 2023 I © DFG / Tom Maelsa

Gibt es ein Herzensprojekt, das Sie nun mit dem Preisgeld realisieren können?

Ja! Ich interessiere mich schon seit Jahren für einen 1000 Jahre alten Stoff arabischer Herstellung, der – so sagt man – als Kreuzzugsbeute in einen Kirchenschatz in Südfrankreich kam. Ich finde nicht nur den Stoff selbst spannend, sondern auch die Annahme, dass es ein Beutestück sei und nicht etwa ein diplomatisches Geschenk oder ähnliches. Denn zur „Beute“ wurde der Stoff erst Jahrhunderte nach seiner Ankunft in Südfrankreich. Welche Denkmuster stecken hinter dieser Zuschreibung? Was hat das mit modernen Grenzziehungen zwischen Ost und West, islamischen und christlichen Kulturen zu tun? Meine eigene Forschung zu diesem Stoff kann ich durch das sehr großzügige Preisgeld in ein Projekt einbetten und ohne einen Antrag zu schreiben, einfach loslegen. Das ist fantastisch!

Dr. Isabelle Dolezalek tauscht sich mit einem Kollegen über die Bedeutung einer mittelalterlichen Steinplatte mit Abbildungen aus. © Maria Herzog
Im fachlichen Austausch

Mit dem Heinz Maier-Leibnitz-Preis werden herausragende Forschungsleistungen von Wissenschaftler*innen in einem frühen Karrierestadium gewürdigt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft zeichnete in 2023 sieben Wissenschaftlerinnen und drei Wissenschaftler aus. Die Ausgezeichneten können das Preisgeld über einen Zeitraum von drei Jahren für ihre weitere Forschungsarbeit einsetzen. Die Auszeichnung soll die Preisträger*innen, die noch keine unbefristete Professur innehaben, darin unterstützen und anspornen, ihre wissenschaftliche Laufbahn weiterzuverfolgen. Benannt ist der Preis nach dem Atomphysiker und früheren DFG-Präsidenten Heinz Maier-Leibnitz.

Die Grafik zeigt das Logo: Campus 1456

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