Forschung

Paludikulturen zentral, nicht nur im Land der Moose

Grüne Pflanzen im Moor.

Pilotprojekt zur Rohrkolbenkultivierung von Universität Greifswald und Partnern (Foto: Jan Hilgendorf)

Von Nina Körner 

Neues aus der Moorforschung

Moorboden und Klima schützen, gleichzeitig Biomasse für nachhaltige Rohstoffe gewinnen und neue Produkte daraus herstellen – das ist mit Paludikulturen möglich. Mit MOOSland und PaludiZentrale starteten dazu an der Universität Greifswald im Oktober 2023 zwei zehnjährige Forschungs- und Verbundvorhaben, beide finanziert durch das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Projektträger ist die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR).

Das Projekt „PaludiZentrale“ koordiniert und vernetzt die Umsetzung und wissenschaftliche Begleitung der fünf neuen Modell- und Demonstrationsvorhaben (MuD) des BMEL zu Moorbodenschutz und Paludikultur in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. So soll ein „PaludiNetz“ entstehen, in das auch die vier bereits laufenden und vom Bundesumweltministerium (BMUV) geförderten Pilotvorhaben zum Moorbodenschutz integriert werden können. Das Verbundprojekt führen die Universität Greifswald, die Succow Stiftung – beide sind Partner im Greifswald Moor Centrum – und das Thünen-Institut gemeinsam durch. PaludiZentrale hat zum Ziel, die Einheitlichkeit und Vergleichbarkeit der in den Projekten erhobenen Daten zu gewährleisten und aus der übergreifenden Analyse Aussagen zu langfristigen ökonomischen und ökologischen Auswirkungen einschließlich der klimaschutzrelevanten Effekte abzuleiten. Damit sich Paludikultur wirtschaftlich lohnt und zu regionaler Wertschöpfung tatsächlich beiträgt, identifiziert PaludiZentrale Hindernisse und entwickelt Empfehlungen für die Änderung politischer oder ökonomischer Rahmenbedingungen. Das Projekt sorgt für Wissenstransfer zu Paludikultur in die Praxis, zum Beispiel an Landwirtschaftsbetriebe oder Unternehmen, und in die Gesellschaft.

Das Bild zeit die Maschinelle Ernte von Torfmoosen mittels Baggerschaufel.
Maschinelle Ernte von Torfmoosen (Foto: Greta Gaudig)

Das Projekt „MOOSland“ widmet sich Paludikultur auf wiedervernässten Hochmooren, also dem Anbau von Torfmoosen. Die so produzierte Torfmoos-Biomasse ist ein hervorragender Ersatz für fossilen Torf im Gartenbau, wie Forschungsprojekte in den vergangenen 20 Jahren zeigten.
Damit trägt Torfmoos-Paludikultur doppelt zum Moor- und Klimaschutz bei und hilft, den von Deutschland geplanten weitgehenden Ausstieg aus der Torfnutzung bis 2030 zu erzielen. Da 80 Prozent der Hochmoore Deutschlands in Niedersachsen liegen, findet die Umsetzung im Projekt in diesem Bundesland statt.

In MOOSland entwickelt die Universität Greifswald mit sieben Partnern aus Niedersachsen Torfmoos-Paludikultur weiter. Zwei bereits bestehende, zusammen rund 20 Hektar große Pilotflächen werden dazu optimiert und um mindestens sieben Hektar erweitert. Den landwirtschaftlichen Transformationsprozess begleiten ökonomische, soziokulturelle und agrarstrukturelle Forschungen. Das Ziel ist, Torfmoos-Paludikultur auch auf weiteren Flächen in den beiden Modellregionen Ammerland und Diepholz und darüber hinaus zu implementieren. Um Torfmoos-Biomasse als Substratausgangsstoff für die breite Anwendung im Gartenbau zu etablieren, ist im Rahmen von MOOSland die Erarbeitung von Kriterien für die RAL-Gütesicherung für Torfmoos-Biomasse geplant. Auch geeignete Substratmischungen weiterzuentwickeln, die Kulturführung in den Gartenbaubetrieben anzupassen und die Einführung von Torfmoos-Biomasse in die gärtnerische Praxis fachlich zu begleiten, steht auf der MOOSland-Agenda.

Die Grafik zeigt das Logo: Campus 1456

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