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Walking Seminar: Pommern neu entdecken

Viele Menschen posieren für ein Gruppenbild.

Die Teilnehmenden im Pommerschen Landesmuseum vor einer Führung durch die „Galerie der Romantik“, © KreativEU

Studierende erkunden Kulturlandschaften mit Walking Seminars

Der Wind weht vom Ryck herüber, Möwen kreisen über dem Hafen. Studierende aus ganz Europa gehen durch Greifswald und diskutieren über Geschichte, Tourismus und den Wandel der Ostsee. Sie sind Teil des Walking Seminars der europäischen Hochschulallianz KreativEU, welches erstmalig in Greifswald stattfand.

Diesen Sommer erkundeten 17 Studierende der elf europäischen KreativEU-Universitäten eine Woche lang Pommern – von Greifswald über Stralsund und Sassnitz bis zu den Kaiserbädern auf Usedom. Unter dem Titel Changing Cultural Landscapes. Pomerania – the Land by the Sea verband das Seminar Vorträge, Museumsbesuche und Exkursionen mit gemeinsamen Spaziergängen – die Landschaft wurde zum Lernraum.

Lernen in Bewegung

Für Teilnehmerin Amber Beerens war genau das eine der wichtigsten Erfahrungen. „Das Gehen regte uns dazu an, Orte zu erleben, anstatt sie nur zu beobachten“, erklärt die Studentin der Hochschule Breda. Beim Spaziergang durch Greifswald verbanden sich die Geschichten aus dem Museum mit dem Stadtbild, dem Universitätsviertel und dem Hafen.

Auch ihre Erwartungen an das Seminar änderten sich. Amber Beerens hatte zunächst mit einem stärkeren Fokus auf Stadtentwicklung und Placemaking gerechnet. Stattdessen ging es zunächst viel um die Geschichte Pommerns. Erst nach und nach erkannte sie die Verbindung: „Rückblickend erwies sich das Verständnis der Vergangenheit als unerlässlich für das Verständnis der Region, wie sie heute existiert und welchen Herausforderungen sie künftig gegenübersteht.“

Was das Meer erzählt

Die Ostsee war der rote Faden der Woche. In Stralsund ging es um die Unterwasserwelt und ihre Bedrohungen, in Sassnitz um Häfen, Energie und die wirtschaftliche Nutzung der Küste. Am Strand von Eldena beschäftigten sich die Studierenden damit, wie sich die Wahrnehmung des Meeres verändert hat – vom gefährlichen Naturraum über den Sehnsuchtsort des Badetourismus bis zum sensiblen Ökosystem.

Elena Ciocoiu von der Universität Valahia in Targovişte nahm vor allem diesen Wandel mit. Das Seminar habe ihr gezeigt, „wie sich die Beziehung zwischen Mensch und Meer entwickelt hat“. Die Geschichte der Region eröffne damit auch einen neuen Blick auf aktuelle Fragen zur Ostsee.

Auf Usedom rückten Tourismus und Stadtentwicklung in den Mittelpunkt. In Heringsdorf und Bansin sahen die Studierenden, wie sich zwei benachbarte Seebäder unterschiedlich entwickelt haben. Historische Villen, Grünflächen, Hotels und Promenaden erzählen von der Geschichte des Tourismus und von den Herausforderungen, die mit seiner Entwicklung verbunden sind.

Eine Landschaft, viele Perspektiven

Nicht nur die Orte selbst sorgten für Diskussionen. Auch die internationale Gruppe brachte unterschiedliche Sichtweisen mit. Studierende aus verschiedenen Ländern sprachen über Tourismus, Denkmalschutz, Stadtentwicklung und den Umgang mit Küstenlandschaften.

Welmoed Uhlig von der Uni Greifswald erlebte Pommern dabei als „Land der Konflikte“. Tourismus trifft auf Naturschutz, wirtschaftliche Interessen auf die Bedürfnisse der Bevölkerung, neue Gebäude auf historisches Erbe. Viele dieser Spannungen haben eine lange Geschichte und prägen die Region bis heute.

Gerade die unterschiedlichen Perspektiven machten das Seminar zu einer europäischen Erfahrung. Gemeinsame Spaziergänge boten Zeit für Gespräche, Vergleiche und persönliche Begegnungen. Für Francisco de Almeida Francisco war diese Atmosphäre besonders wichtig. „Ich habe mich fast die ganze Zeit wie zu Hause gefühlt, was sehr selten ist“, so der Student der Polytechnischen Universität Tomar.

Am letzten Tag kamen die Eindrücke der Woche noch einmal zusammen. In Gruppen diskutierten die Studierenden, was ihnen von den einzelnen Tagen geblieben war. Aus vielen einzelnen Beobachtungen entstand ein gemeinsames Bild der Region. Und der nächste Spaziergang steht bereits bevor: Im Oktober findet erneut ein Walking Seminar in Greifswald statt.

Vielleicht fasst ein Satz von Amber Beerens die Idee des Walking Seminars am besten zusammen: „Manchmal ist der beste Weg, einen Ort zu verstehen, einfach, durch ihn hindurchzugehen.“

Text: Anne Junia Ziemann, 17.08.2026
Bilder: © KreativEU

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