Marike Zenke und der Uni-Plüschdackel im Archiv, © Anne Junia Ziemann/UG
Die Gedächtnisstätte der Universität – über 500 Jahre Geschichte bewahrt
Wer das Universitätsarchiv betritt, steht nicht vor verstaubten Akten und vergessenen Ordnern, sondern vor über 500 Jahren Universitätsgeschichte. In Regalen lagern Urkunden, Verträge und Protokolle – Entscheidungen, die bis heute nachwirken.
„Archive entstehen dadurch, dass Menschen das Bedürfnis haben, Dinge zu verschriftlichen“, erklärt Marike Zenke, Diplom-Archivarin der Universität Greifswald. „Archive stehen dafür, dass Rechte gewahrt werden.“
Schon seit 1456 werden an der Universität Dokumente aufbewahrt, um Entscheidungen nachvollziehbar zu machen und Streitigkeiten zu klären. Die ersten Urkunden lagen im Dom – in einer Mauernische, die noch heute sichtbar ist. „Wenn es Streitigkeiten gab, konnte man sagen: Aber hier steht es in der Urkunde.“
Warum das Archiv uns alle betrifft
Das Universitätsarchiv ist nicht nur historisches Gedächtnis, sondern auch ganz praktische Unterstützung im Alltag. Wenn Abschlusszeugnisse verloren gehen, wenn alte Gremienbeschlüsse nachvollzogen werden müssen oder wenn Unterlagen für Rentenangelegenheiten gebraucht werden, dann führt der Weg häufig ins Archiv. Gleichzeitig ist es ein Ort für Forschung. „Es entstehen ja oft Geschichten und Legenden“, sagt Marike Zenke. „Und dann geht man auf Spurensuche und merkt: Ach guck mal, so war das gar nicht.“ Archive helfen einzuordnen, zu prüfen, zu belegen – kurz: sie schaffen Verlässlichkeit.
Was bleibt – und was nicht
Nicht alles, was in der Verwaltung entsteht, bleibt dauerhaft erhalten. Tatsächlich werden 90 bis 95 Prozent der angebotenen Unterlagen nicht archiviert. „Archivare sind nicht nur die Bewahrer der Geschichte, sondern wir sind auch die größten Wegschmeißer“, sagt Marike Zenke mit einem Lächeln. Die Entscheidung erfolgt jedoch nach klaren fachlichen Kriterien. Ziel ist es, ein möglichst vollständiges und ausgewogenes Bild der Universität zu bewahren, ohne zu bewerten oder zu kommentieren.





Zwischen Pergament und Datenbank
Der Arbeitsalltag im Archiv ist vielseitig: Beratung der Einrichtungen, Bewertung von Akten, Erschließung der Bestände. Jede Archivalie wird in der Datenbank „Ariadne“ verzeichnet und damit langfristig auffindbar gemacht. „In dieser Datenbank hat jede Akte, jede Archivalie, sagen wir auch gerne, einen eigenen Datensatz. Und in diesem Datensatz sind die grundlegenden Informationen hinterlegt zu dieser Akte“, erklärt Marike Zenke.
Neben Urkunden aus dem 15. Jahrhundert gehören heute auch Fotos, Karten, Nachlässe und modernen Verwaltungsakten zum Bestand. Perspektivisch wird auch die digitale Archivierung immer wichtiger.
„Wir bewahren nicht nur die Vergangenheit“, sagt Zenke. „Wir gestalten auch, was zukünftig von uns erinnert wird.“
Ein Beruf mit Blick in zwei Richtungen
Marike Zenke begann ihre Ausbildung im Universitätsarchiv Greifswald. Nach ihrem Diplomabschluss als Archivarin und beruflichen Stationen unter anderem in Hamburg und Neubrandenburg kehrte sie 2018 als stellvertretende Leiterin zurück.
Dass sie Archivarin geworden ist, war für sie genau die richtige Entscheidung. „Irgendwann saß ich in meinem Büro und dachte: Ja, genau das ist es“, sagt sie. Besonders schätzt sie die Vielseitigkeit des Berufs – die Mischung aus historischer Spurensuche, analytischem Arbeiten und der Verantwortung, langfristig zu entscheiden, was bewahrt wird. Und es sind auch die persönlichen Momente, die ihre Arbeit besonders machen. „Manchmal stecken einfach Schicksale dahinter. Es ist nicht nur Papier, sondern ein Leben.“
Nur wenige Schritte vom Archiv entfernt steht auf dem Wall ein Ginkgo-Baum – für Zenke mehr als nur ein Baum und zugleich ihr Lieblingsort in Uni-Nähe. Das Ginkgo-Blatt ist das Symbol der Archivschule Marburg und steht für Beständigkeit und Widerstandskraft. Vor allem aber verkörpert es die doppelte Blickrichtung ihres Berufs: zurück in die Vergangenheit und nach vorn in die Zukunft.
Ein Gedanke, der gut zur Aufgabe des Universitätsarchivs passt: Über 500 Jahre Geschichte und jeden Tag kommen neue Kapitel hinzu.
„Dackelbesuch bei …“, ist ein Format der internen Kommunikation der Universität Greifswald. Es gibt Einblicke in Menschen, Projekte und Tätigkeiten an der Universität und soll die interne Vernetzung stärken. Wenn Sie selbst Interesse haben oder jemanden vorschlagen möchten, können Sie sich bei der Hochschulkommunikation melden.
Text: Anne Junia Ziemann, 02.03.2026
Bilder: © Anne Junia Ziemann/UG
