Jeanne D‘Arc im schweizerischen Fribourg, © Jeanne D‘Arc
Die Greifswalder Studentin Jeanne D’Arc hat im Rahmen ihres Studiums der Kommunikationswissenschaften einen Studienaufenthalt von September 2024 bis Januar 2025 in der Schweiz verbracht. In einem Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen.
Warum wollten Sie ins Ausland?
Ich habe mich entschieden, im Ausland zu studieren, weil ich meine akademische und persönliche Entwicklung in einem internationalen Umfeld ausbauen wollte. Ein Studium im Ausland bot mir die Möglichkeit, neue Perspektiven kennenzulernen, andere Lehrmethoden zu erfahren und meine interkulturelle Kompetenz zu stärken. Zudem sah ich darin eine Chance, meinen Alltag in einer anderen Sprache zu gestallten.
Warum haben Sie sich für die Université de Fribourg entschieden?
Die Université de Fribourg hatte mich besonders angesprochen, weil sie eine einzigartige bilinguale (französisch-deutsche) Studienumgebung bot, die ideal zu meinem Interesse an Mehrsprachigkeit passte. Darüber hinaus überzeugte mich das akademische Profil der Universität. Insbesondere die Kombination aus persönlicher Atmosphäre und internationaler Ausrichtung. Auch die Lage der Stadt macht Fribourg zu einem attraktiven Studienort, an dem ich mich sowohl akademisch als auch persönlich weiterentwickeln konnte.
Wo haben Sie gewohnt?
Anfangs gestaltete sich die Wohnungssuche schwierig, weil die Studierendenwohnheime schnell voll waren. Für Erasmus-Studierende gab es ein extra Wohnhaus, doch auch dieses war sehr schnell ausgebucht.
Letztendlich habe ich mich für eine private Vierer-WG entschieden. Ich hatte das Glück, die WG im Internet zu finden und habe sie direkt angeschrieben. Nach einem kurzen Videoanruf, bei dem sich die Mitbewohner*innen vorgestellt haben und ich eine kleine Roomtour bekommen habe, konnte ich mir einen guten Überblick über die Wohnung verschaffen.
Insgesamt haben wir zu viert in der WG gewohnt – zwei Schweizer*innen, ein weiterer Austauschstudent aus Deutschland und ich. So konnte ich nicht nur viele neue Leute kennenlernen, sondern auch ein wenig Schweizerdeutsch lernen.
Wie war Ihr Studienalltag (im Vergleich zu dem in Greifswald)?
Mein Studienalltag an der Université de Fribourg hat sich gar nicht so sehr zu dem in Greifswald unterschieden. Mein Studium war insgesamt stärker interaktiv gestaltet, und es wurde viel Wert auf Diskussionen und Gruppenarbeit gelegt. Die Uni hat sehr viele Praxiskurse angeboten. Die Kurse waren wie in Deutschland meist kleiner, was den Austausch mit Dozierenden und Mitstudierenden erleichtert hat. Außerdem war das Studium durch die Mehrsprachigkeit besonders spannend, denn viele Veranstaltungen fanden entweder auf Französisch oder auf Deutsch statt. Gleichzeitig habe ich den persönlichen Kontakt und die Offenheit an der Universität sehr geschätzt. Es herrschte auch dort eine angenehme und freundliche Atmosphäre.




Wie haben Sie sich den Aufenthalt finanziert?
Meinen Aufenthalt habe ich hauptsächlich durch das Erasmus+-Stipendium finanziert. Zusätzlich habe ich Auslands-BAföG erhalten, wodurch ich meine Lebenshaltungskosten gut decken konnte. Diese finanzielle Unterstützung hat mir ermöglicht, mich voll auf mein Studium und das Leben in Fribourg zu konzentrieren, ohne mir zu große Sorgen um Geld machen zu müssen.
Trotzdem würde ich empfehlen, vor dem Aufenthalt Ersparnisse anzulegen. Die Bearbeitung und Auszahlung des Auslands-BAföGs kann sich manchmal verzögern, und es ist beruhigend, in dieser Zeit auf eigene Rücklagen zurückgreifen zu können.
Wie sah Ihre Freizeitgestaltung aus?
In meiner Freizeit habe ich sehr viele verschiedene Dinge ausprobiert. An der Universität sind fast alle Sportkurse kostenlos, man muss sich lediglich 24 Stunden vorher anmelden. Dadurch konnte ich viele Sportarten testen – von Poledance bis hin zu African Modern Dance war wirklich für jede*n etwas dabei.
Außerdem war ich in verschiedenen AGs aktiv. Jeden Mittwoch habe ich mich zum Beispiel mit anderen Studierenden in einem Café getroffen, um gemeinsam zu häkeln und zu stricken. Auch die Stadt selbst bietet viele Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung: Es gibt zahlreiche gemütliche Cafés, in denen jede*r schnell seinen Lieblingsort findet. Besonders der Centre Fries – ähnlich wie die „Straze“ in Greifswald – war ein toller Ort, um neue Menschen kennenzulernen und bei unterschiedlichen Projekten mitzumachen.
Darüber hinaus kommt man von Fribourg aus sehr schnell nach Bern, denn die Zugfahrt dauert nur etwa 20 Minuten. Durch gute Anbindungen sind auch andere Städte wie Lausanne sehr gut zu erreichen. Schon bald entdeckte ich meine Lieblingsplätze: die gemütlichen und einzigartigen Cafés, die Altstadt, in der zahlreiche Katzen herumstreunten und die verwinkelten Gassen noch magischer erscheinen ließen. Die Umgebung rund um Fribourg eignet sich außerdem hervorragend zum Wandern. Eine Aktivität, die ich besonders empfehlen kann, ist der mittelalterliche Stadtmauerrundgang. Er dauert etwa drei Stunden und bietet wunderschöne Ausblicke auf die Stadt aus ganz unterschiedlichen Perspektiven – ein echtes Highlight meines Aufenthalts!
Eigentlich war in Fribourg fast jeden Tag etwas los, sodass es nie langweilig wurde.


Was ist Ihr Fazit? Was nehmen Sie aus Ihrem Auslandsaufenthalt mit?
Mein Auslandsaufenthalt in Fribourg war eine unglaublich bereichernde Erfahrung – sowohl akademisch als auch persönlich. Ich habe nicht nur neue fachliche Perspektiven gewonnen, sondern auch gelernt, mich in einem internationalen und mehrsprachigen Umfeld zurechtzufinden. Besonders das Leben in einer neuen Stadt und der Kontakt zu Menschen aus verschiedenen Ländern haben meinen Horizont erweitert und mir viel Selbstvertrauen gegeben.
Ich nehme aus dieser Zeit mit, dass Offenheit, Neugier und Eigeninitiative der Schlüssel sind, um das Beste aus einem Auslandsaufenthalt herauszuholen. Außerdem habe ich gelernt, flexibler und unabhängiger zu sein und Herausforderungen als Chancen zu sehen. Rückblickend würde ich jedem empfehlen, die Möglichkeit eines Auslandsstudiums zu nutzen – es ist eine Erfahrung, die einen langfristig prägt und stärkt. Es war eine der besten Entscheidungen überhaupt!
Interview: Sophie Müller, Fotos: Jeanne D‘Arc, 11.11. 2025
