Eine Gesundheit © Universität Greifswald
Forschungsschwerpunkt One Health
Es ist ein Thema so alt wie die moderne Medizin: Schon Rudolf Virchow und Friedrich Loeffler erkannten, dass es in der Human- und Veterinärmedizin Probleme gibt, die zusammengehören. Virchow entwickelte den Begriff Zoonose, um Krankheiten zu beschreiben, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Was zunächst über viele Jahrzehnte unter One Medicine Concept gefasst wurde, wurde Anfang der 2000er um den Umweltaspekt ergänzt. Daraus entstand der heute in vielfacher Weise verwendete One-Health-Ansatz. Hierbei handelt es sich um einen kollektiven, vereinenden Ansatz, der darauf abzielt, die Gesundheit von Menschen, Tieren und Ökosystemen nachhaltig ins Gleichgewicht zu bringen und zu optimieren. One Health ist ein Forschungsschwerpunkt der Universität Greifswald.
Für die Unimedizin Greifswald wurde der One-Health-Ansatz ebenso in den vergangenen Jahren immer wichtiger – und mündete im August 2023 schließlich in eine Professur am hiesigen Helmholtz-Institut für One Health (HIOH). Die Veterinärmedizinerin und Mikrobiologin Prof. Katharina Schaufler leitet hier die Abteilung für Epidemiologie und Ökologie antimikrobieller Resistenz. „Von Anfang an war die Universitätsmedizin Greifswald (UMG) eine zentrale Kooperationspartnerin, damit wir interdisziplinär Lösungen für globale Gesundheits- und Umweltprobleme entwickeln, wie etwa die Bekämpfung von Antibiotikaresistenzen und Zoonoseerregern“, erzählt sie. Mittlerweile läuft eine Vielzahl von gemeinsamen Forschungsprojekten, in denen beispielsweise die Ausbreitung von Krankheitserregern überwacht, bestehende Datensätze zusammengeführt, neue Methoden entwickelt, aber auch Forschungs- und Politiklücken identifiziert werden.
Das geht nur gemeinsam: In enger Zusammenarbeit mit seinen lokalen Partnern – der Universität Greifswald (UG), der UMG und dem Friedrich-Loeffler-Institut Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit Greifswald-Riems (FLI) – widmet sich das HIOH der interdisziplinären Erforschung der Zusammenhänge zwischen Mensch-, Tier- und Umweltgesundheit und bindet eine Vielzahl weiterer lokaler Partner ein.
One Health – ein Thema, an dem vier Forschungseinrichtungen am Wissenschaftsstandort Greifswald in zahlreichen Projekten gemeinsam forschen.
Tiere in SHIP
„Das ist das schöne Greifswalder Modell“, meint Prof. Henry Völzke, „dass man – je nach Expertise – immer jemanden hat, mit dem man kooperieren kann“. Vor etwa zehn Jahren, als die nächste Kohorte des SHIP-Projektes vorgedacht wurde, kam bei ihm die Idee auf, auch Tiere zu untersuchen. „Aus der laufenden Datenerhebung wussten wir, dass 45 Prozent der erwachsenen Menschen in der Region Tiere hatten“, erzählt Völzke. Und so kam die Zusammenarbeit mit dem FLI zustande. „Bei SHIP-NEXT One Health gehen wir deshalb zu den Studienteilnehmenden nach Hause, untersuchen Tauben, Hühner, Katzen und Hunde, machen Abstriche und tiermedizinische Untersuchungen“, erzählt er.
SHIP Tieruntersuchung, © Astrid Puppe
Spätestens Corona habe gezeigt, dass Zoonosen zu großen Problemen führen können. Doch auch positive Assoziationen zwischen Tierhaltung und menschlicher Gesundheut seien nicht von der Hand zu weisen: „Der soziale Kontakt mit anderen Hundehaltern, die tägliche Bewegung mit dem Vierbeiner – all das sind Aspekte, die wir ebenso erforschen wollen.“
Gefährlich für Mensch, Tier und Umwelt: multiresistente Erreger
Infektionen durch multiresistente Erreger sind oft nur noch schwer zu therapieren. Welche multiresistenten Erreger Mensch und Tier infizieren, sich aber auch in der Umwelt ausbreiten können, untersuchen unter anderem Prof. Karsten Becker und sein Team an der Medizinischen Mikrobiologie. Im UMG-Sequenzierzentrum für mikrobielle Erreger werden Bakterien und andere Mikroorganismen hinsichtlich ihrer Resistenzen gegen Schwermetalle, Biozide und insbesondere Antibiotika sowie hinsichtlich ihrer Verwandtschaft untereinander analysiert.
Karsten Becker, © Sascha Meichsner
„Oberstes Ziel ist, zusammen mit dem Institut für Hygiene und Umweltmedizin die Übertragungswege von Erregern zwischen Mensch, Tier und Umwelt aufzudecken, menschliche und tierische Patienten gezielt therapieren zu können und möglichst jene Faktoren einzugrenzen, die eine Resistenzausbreitung fördern“, erklärt Becker.
Dabei spiele die Integration eines mikrobiellen Abwassermonitorings eine zentrale Rolle – innerhalb des Krankenhauses, in der Stadt Greifswald und im Umland, der One-Health-Region Vorpommern.
One-Health-Region Vorpommern
„Das ist unsere große Stärke“, betont Prof. Nils-Olaf Hübner, Leiter des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin, „denn mit der Forschungsinitiative T!Raum wurde der One-Health-Ansatz erstmalig in einen regionalen Kontext gestellt“. Neben der Aufklärung von Mechanismen sei es nämlich von immenser Bedeutung, die Ergebnisse auch in der Region zu transferieren. Dafür stehen Akteure aus der regionalen Wissenschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft sowie die Bevölkerung im engen Austausch.
Mittlerweile laufen im Zuge der BMBF-geförderten Forschungsinitiative zehn Projekte, auch das RUmBA-Projekt. Es baut eine webbasierte Plattform auf, insbesondere um den Antibiotika- und Biozidverbrauch in der Region zu erfassen. Dafür sei ein großes regionales Netzwerk unter anderem aus den Umweltwissenschaften, von Agrarverbänden und Fischereigenossenschaften sowie aus der Bevölkerung wichtig. „Risikofaktoren aufzeigen, sensibilisieren und aufklären oder gemeinsam überlegen, wie im beruflichen Alltag ein verantwortungsbewusster Umgang mit Antibiotika möglich ist – das ist Gegenstand des RUmBA-Projektes, das wir seit fast zwei Jahren mit Kollegen der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät durchführen“, so Hübner.
Weitere Informationen zu dem dem Forschungsschwerpunkt One Health finden Sie hier.
Autorin: Katrin Kleedehn. Der Artikel erschien zuerst in UMGlive.
09.09.2025
