
Foto: Rektorin Katharina Riedel in der Aula der Universität Greifswald, © Wally Pruß
„Mutig, realistisch, im Dialog“ – Die Pläne für die zweite Amtszeit von Rektorin Prof. Dr. Katharina Riedel
Mit klaren Zielen und viel Engagement setzt sich die Rektorin Prof. Dr. Katharina Riedel der Universität Greifswald dafür ein, Forschung zu stärken, Lehre weiterzuentwickeln und die Universität zukunftsfähig aufzustellen. Im Interview spricht sie über ihre Motivation, ihre Schwerpunkte für die zweite Amtszeit und ihren frühen Berufswunsch.
Welche Ziele haben Sie sich für Ihre zweite Amtszeit gesetzt?
Die Universität Greifswald liegt mir am Herzen – als Wissenschaftlerin, Kollegin und Rektorin. In den vergangenen Jahren haben wir gemeinsam viel erreicht: Wir haben die Grundlagen für eine moderne, zukunftsgerichtete Universität gelegt. Jetzt gilt es, diesen Weg konsequent weiterzugehen – mutig, realistisch und im Dialog.
Forschung fördern – Profil schärfen
Unsere Universität hat exzellente Forschungsschwerpunkte – diese möchte ich weiter ausbauen. Die 2024 verabschiedete Forschungsstrategie dient dafür als Grundlage. Mit gezielter Förderung durch den Strategie-Fonds, strategischen Berufungen, einer hervorragenden Forschungsinfrastruktur und verlässlicher Unterstützung von Wissenschaftler*innen in frühen Karrierephasen schaffen wir langfristige Perspektiven.
Lehre weiterdenken – Chancen eröffnen
Studieren an der Universität Greifswald soll motivierend, gut begleitet und zukunftsorientiert sein. Deshalb möchte ich das Studienangebot regelmäßig prüfen und dort weiterentwickeln, wo sich Gesellschaft, Arbeitswelt oder Wissenschaft verändern. Besonders wichtig sind mir ein gelungener Einstieg ins Studium, attraktive Studiengänge – auch in englischer Sprache – und starke Strukturen für die Lehrer*innenbildung.
Strukturen stärken – Ressourcen sinnvoll nutzen
Eine Universität funktioniert nur dann gut, wenn ihre Strukturen mitwachsen. Ich möchte ein Prorektorat für Organisation und Ressourcen etablieren, das als Brücke zwischen Verwaltung, Fakultäten und Instituten wirkt. Es geht um bessere Abstimmung, mehr Synergien und darum, gemeinsam tragfähige Lösungen zu finden – auch unter den Bedingungen knapper Ressourcen. Nachhaltigkeit, Flächenentwicklung und ein sinnvoller Umgang mit Körperschaftsvermögen bleiben dabei zentrale Themen.
Ein guter Ort zum Arbeiten – für alle
Die Universität soll auch als Arbeitgeberin attraktiv und zukunftsfähig sein. Ich setze mich für ein modernes Personalentwicklungskonzept ein, das Gewinnung, Weiterentwicklung und Bindung von Mitarbeitenden in den Mittelpunkt stellt. Dazu gehören flexible Arbeitszeitmodelle, Weiterbildung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie eine gelebte Feedback- und Wertschätzungskultur.
Miteinander im Gespräch – nach innen und außen
Gute Kommunikation ist die Basis für Vertrauen und Zusammenarbeit. Ich möchte noch näher an die Fakultäten und Statusgruppen heranrücken – durch offene Gesprächsformate, gezielte Kommunikationsangebote und ein starkes Team in der Hochschulkommunikation. Gleichzeitig brauchen wir Sichtbarkeit nach außen: im politischen Raum, in der Gesellschaft, bei unseren Alumni. Ich wünsche mir, dass sich viele als Botschafter*innen unserer Universität verstehen – denn wir alle gestalten ihren Ruf mit.
Was gab den Ausschlag, dass Sie Rektorin der Universität Greifswald werden wollten?
Was mich dazu bewogen hat, mich um das Amt der Rektorin der Universität Greifswald zu bewerben, ist eine Kombination aus Erfahrung, Motivation und tiefer Verbundenheit mit dieser Universität. In den vergangenen Jahren konnte ich als Mitglied des Fakultätsrats der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät, als Senatorin und zuletzt als Prorektorin für Forschung, Transfer, Internationalisierung und Gleichstellung viele Einblicke in die unterschiedlichen Bereiche der Universitätsleitung gewinnen. Diese Erfahrungen haben mir gezeigt, wie viel Gestaltungsspielraum das Amt als Rektorin bietet – aber auch, welche Verantwortung damit einhergeht. Mir bereitet es große Freude, Verantwortung zu übernehmen, Prozesse aktiv mitzugestalten und gemeinsam mit anderen etwas zu bewegen. Besonders schätze ich dabei den Austausch mit den unterschiedlichsten Menschen – ob Studierende oder langjährige Mitarbeitende, ob aus Greifswald oder aus aller Welt. Nicht zuletzt liegt mir die Universität Greifswald persönlich sehr am Herzen. Ich bin seit vielen Jahren hier tätig, fühle mich der Universität und der Region eng verbunden – und habe den starken Wunsch, meine Erfahrungen und meine Energie dafür einzusetzen, unsere Universität weiterzuentwickeln und zukunftsfähig aufzustellen.
Hand aufs Herz: Ihr Traumberuf als Kind war es sicherlich nicht, Rektorin zu werden, oder? Welchen Berufswunsch hegten Sie?
Schon als Grundschülerin war ich fasziniert von allem, was da kreuchte und fleuchte – Tiere, Pflanzen, winzige Lebewesen im Wasser. Zusammen mit meiner Mutter, die selbst eine naturwissenschaftliche Ausbildung hatte, durchstöberte ich Pflanzenbestimmungsbücher und beobachtete mit einem einfachen Mikroskop das Leben in Wassertropfen. In der Schule war Biologie mein absolutes Lieblingsfach. Ich wählte es als Leistungskurs und schrieb meine Facharbeit über die Wasserchemie und Mikroorganismen in einem selbst angelegten Gartenteich. Der Wunsch, Biologin zu werden, war damit schon früh ganz klar – und er hat mich seitdem nicht mehr losgelassen.
Prof. Dr. Katharina Riedel beginnt am 01.04. Ihre zweite Amtszeit als Rektorin der Universität Greifswald. Seit 2011 ist sie Professorin und Lehrstuhlinhaberin für Mikrobiologie an der Universität Greifswald. Katharina Riedel studierte Biologie an der Technischen Universität München, wo sie 1998 auch promovierte. Ihre wissenschaftliche Laufbahn begann sie mit der Leitung einer Nachwuchsgruppe für Bakterielle Proteomik an der TU München (2000–2003). Von 2003 bis 2011 leitete sie die Forschungsgruppe „Mikrobielle Proteomik“ als Oberassistentin an der Universität Zürich. Dort habilitierte sie im Jahr 2006.
Interview Elisabeth Böker