
Rektorin Prof. Katharina Riedel und der Leiterin des International Office Dr. Hasmik Hunanyan, Foto: Elisabeth Böker
Gespräch im International Office zwischen Rektorin Prof. Katharina Riedel und der Leiterin des International Office Dr. Hasmik Hunanyan
Die Leitung des Bereichs Internationalisierung hat die Rektorin der Universität Greifswald, Prof. Dr. Katharina Riedel, mit Beginn ihrer zweiten Amtszeit zur Chefsache erklärt. Bereits in ihrer Zeit als Prorektorin (2017–2021) war sie maßgeblich an der strategischen Ausrichtung beteiligt. Gemeinsam mit Dr. Hasmik Hunanyan, Leiterin des International Office, erläutert sie im Gespräch zentrale Weichenstellungen und Perspektiven für die nächsten Jahre.
Hasmik Hunanyan: Katharina, seit Beginn Deiner zweiten Amtszeit ist die Internationalisierung keine Aufgabe eines Prorektorats mehr – sie ist jetzt Chefsache. Warum war dir dieser Schritt so wichtig?
Katharina Riedel: Die Internationalisierung ist ein zentrales Zukunftsthema für unsere Universität. Schon während meiner Zeit als Prorektorin habe ich an der strategischen Ausrichtung mitgearbeitet. Jetzt als Rektorin möchte ich dem Thema noch mehr Gewicht verleihen. So stellen wir sicher, dass Internationalisierung als Querschnittsaufgabe in allen Bereichen – Forschung, Lehre, Transfer – konsequent weiterentwickelt wird.
Hasmik Hunanyan: Die Internationalisierungsstrategie 2030 ist dabei der zentrale Rahmen.
Katharina Riedel: Ganz genau. Unsere Strategie 2030 definiert klare Ziele: Wir wollen die internationale Sichtbarkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Universität steigern und die Lehre weiter internationalisieren. Gleichzeitig ist es zentral, internationale Fachkräfte für die Universität und das Land zu gewinnen und zu binden.





Hasmik Hunanyan: Das klingt ambitioniert. Gleichzeitig ist klar: Internationalisierung ist kein Selbstzweck.
Katharina Riedel: Absolut. Sie steht in direktem Zusammenhang mit den demografischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Mecklenburg-Vorpommern. Als Universität möchten wir dazu beitragen, den Wissenschaftsstandort Greifswald mit den zahlreichen weiteren außeruniversitären Einrichtungen als attraktiven Bildungs- und Lebensstandort zu stärken – sowohl national als auch international.
Hasmik Hunanyan: Ein wichtiger Hebel dabei sind die Curricula. Wie müssen wir unser Studienangebot weiterentwickeln?
Katharina Riedel: Wir setzen auf international anschlussfähige Studiengänge – etwa durch englischsprachige Module, Double Degrees oder Formate, die Praxis- und Auslandserfahrung verknüpfen. Besonders der Ostseeraum und der globale Süden sind für uns zentrale Zielregionen, aus denen wir internationale Talente gewinnen möchten. Wissenschaftler*innen und Gastdozent*innen mit internationaler Reputation stärken dabei zusätzlich unser akademisches Profil. Daher sind wir dieses Jahr mit einem Stand auf dem German Academic International Network (GAIN), ein zentrales Netzwerktreffen für deutsche Forschende in Nordamerika, vertreten.
Hasmik Hunanyan: Dazu kommt das FIT-Projekt, das wir als International Office umsetzen dürfen – gefördert vom DAAD. Mit FIT begleiten wir internationale Studierende über die gesamte Studiendauer hinweg. Besonders wichtig finde ich den Aufbau eines International Career Centres, das den Übergang in den regionalen Arbeitsmarkt unterstützt. Es geht darum, eine Willkommenskultur zu schaffen – nicht nur an der Universität, sondern gemeinsam mit der Stadt und Region.
Katharina Riedel: Ein weiteres wichtiges Ziel ist die internationale Vernetzung und Stärkung der Partnerschaften. Wir pflegen rund 200 Erasmus-Partnerschaften und viele weitere Kooperationen weltweit. Besonders intensiv ist unsere Zusammenarbeit im Ostseeraum. Diese Beziehungen haben wir 2025 durch eine Delegationsreise ins Baltikum weiter gestärkt. Aber auch unsere weltweiten Partnerschaften mit Hochschulen in der Ukraine, Armenien, USA, Kanada, Vietnam, Brasilien, Korea oder Japan sind uns sehr wichtig.
Hasmik Hunanyan: Und diese Partnerschaften leben auch vom Austausch: Die Mobilität von Studierenden, Forschenden und Mitarbeitenden ist mittlerweile in nahezu allen Fachbereichen verankert.
Video: Rektorin Prof. Dr. Katharina Riedel besucht das International Office
Katharina Riedel: Ein großer Schritt nach vorn ist auch unsere Teilnahme an der Europäischen Hochschulallianz KreativEU. Dieses Konsortium europäischer Universitäten will einen gemeinsamen Bildungsraum schaffen – mit Fokus auf Innovation, Kreativität und gesellschaftlichen Wandel.
Hasmik Hunanyan: Was bringt diese Allianz konkret für Greifswald?
Katharina Riedel: Sie eröffnet uns neue Mobilitätsformate, gemeinsame Studienangebote und spannende Kooperationen mit europäischen Partnern. Und was mir besonders gefällt: Die KreativEU-Allianz wirkt weit über die Hochschule hinaus – sie schafft Schnittstellen zur Stadtgesellschaft, etwa durch gemeinsame Kultur- und Bildungsprojekte.



Hasmik Hunanyan: Internationalisierung wirkt definitiv nicht nur nach innen, sondern auch nach außen – in die Region.
Katharina Riedel: Ganz genau. Mit unserer Internationalisierungsstrategie setzen wir ein starkes Zeichen: Internationale Sichtbarkeit, gesellschaftliche Verantwortung und regionale Verankerung gehören für uns untrennbar zusammen. Internationalisierung wird so zum Motor für Innovation und Integration – nicht nur an der Universität, sondern in ganz Mecklenburg-Vorpommern.
Interview: Elisabeth Böker, Sophie Müller